02.03.2011

Index für Inklusion - Vielfalt als Entwicklungschance

- ein Handbuch für LehrerInnen

Der "Index für Inklusion" wurde 2003 von Tony Booth und Mel Ainscow (Manchester) entwickelt und auf Initiative von Prof. Dr. Andreas Hinz und Ines Boban (Luther-Universität Halle-Wittenberg) für deutsche Verhältnisse übersetzt und adaptiert. Er beinhaltet eine Sammlung von Materialien, Aussagen und Fragen zur Qualität der relevanten Aspekte, die eine „alle Kinder und Jugendliche willkommen heißende“ Bildungseinrichtung ausmachen. Der Index für Inklusion gibt zahlreiche Hinweise für eine systematische Schulentwicklung und Anregungen zur Reflexion und Selbstevaluation. Der Grundgedanke des Index besteht darin, die vorhandene Vielfalt in Schule oder Kindertagesstätten wahrzunehmen, zuzulassen und als wertvoll und Bereicherung zu erfahren. Während Integration im Bildungssystem noch an einer Kategorisierung festhält, nämlich zum Beispiel „Kinder mit und ohne Förderbedarf“ oder „Kinder mit und ohne Migrationshintergrund“ separat zu „denken“ bzw. zu unterrichten, sieht die Inklusion als Leitidee die Lerngruppe als unteilbar an und nimmt alle und alles am Bildungsprozess Beteiligte in den Blick: SchülerInnen, PädagogInnen, alle MitarbeiterInnen, die Kultur der Bildungseinrichtung, Inhalte bis hin zum Gebäude. Das Inklusionskonzept beinhaltet im Wesentlichen den Abbau von Barrieren für das Lernen und die Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen aller Nationen, Ethnien, Religionen, Herkunftsfamilien, Geschlechts etc. So soll individuellen, sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Lernzugängen von Kindern und Jugendlichen entsprochen werden und diese Wertehaltung, die Vielfalt als Bereicherung erlebt, auf die drei Ebenen Kultur, Struktur und Praktiken der Bildungseinrichtungen übertragen werden. Durch über 700 Fragen können die Einrichtungen unterschiedliche Bereiche im Sinne eines inklusiven Leitbildes reflektieren und Veränderungsprozesse initiieren.
Quelle: http://www.montag-stiftungen.com/index-fuer-inklusion0/

Dieses Handbuch ist ein absolutes Muss für alle Lehrerinnen und Lehrer.

Den Index für Inklusion als PDF-Datei, bitte Titelbild klicken: 

 

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(WDR 2011) Merlin und Marlene - ein Herz und eine Seele Freundschaft seit 24 Jahren

 

 

Frankfurter Rundschau - FR-online.de - 29.12.2008

Deutschland grenzt aus
VON LISA PFAHL UND JUSTIN J. W. POWELL


Die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen wird 2009 für Deutschland verbindlich. Aus der Formulierung in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte - Bildung ist Menschenrecht - leiten die Vereinten Nationen (UN) und die Europäische Union die Forderung ab, schulische Bildung möglichst inklusiv zu gestalten. Inklusiv heißt: Alle Kinder werden gemeinsam unterrichtet. Inwieweit wird das deutsche Bildungssystem dieser Forderung bereits gerecht?
In Deutschland wird immer mehr Kindern und Jugendlichen ein sonderpädagogischer Förderbedarf attestiert. Im Jahr 2006 wurden 86 Prozent dieser Gruppe an Sonderschulen unterrichtet. Eine Bildungspolitik der Inklusion wird durch unterschiedliche Faktoren verhindert. Dazu gehört die institutionelle Trägheit des Bildungswesens, das in seiner Mehrgliedrigkeit gefangen bleibt.
Dazu gehören auch das starke Interesse der (sonder-)pädagogischen Lehrer am bestehenden hochdifferenzierten Sonderschulsystem sowie der Mangel an politischem Willen, in gemeinsamen Unterricht ausreichend zu investieren und sonderpädagogische Lehrkräfte in inklusive Schulen zu verlagern. Trotz ihrer beachtlichen lokalen Erfolge bleiben deshalb inklusive Schulen in vielen Regionen Deutschlands die Ausnahme.

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Link:

 

UN-Beauftrager V. Muñoz:
"Kinder mit Behinderungen gehören in normale Schulen."

Nicht wir sind die Exoten bekräftigt Camilla Dawletschin-Linder, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben – Gemeinsam lernen, Frankfurt.

FR-Interview vom 26.3.08

FR: Frau Dawletschin-Linder, ein Jahr ist es her, dass der UN-Beauftragte für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz, seine harsche Kritik an getrennten Schulen für Kinder mit und ohne Behinderungen vorgelegt hat. Hat sich seitdem etwas verbessert?
Dawletschin-Linder: Nicht im Schulsystem. Aber die Aufmerksamkeit ist mehr geworden. Für Eltern, die seit Jahrzehnten dafür kämpfen, dass ihre Kinder normale Schulen besuchen, war das Urteil von Herrn Muñoz eine Erlösung. Endlich hat jemand bestätigt, dass nicht wir die Exoten sind - sondern die Anderen. International ist Deutschland mit seiner Aussonderung von Kindern mit Behinderungen völlig isoliert.

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Schulische Integration (Historie)

Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 08.10.1997 (BvR 9/97) wird der Artikel 3 des Grundgesetzes Abs. 3 um den Satz ergänzt: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."
Die Anwendung des Gleichheitsprinzips bedeutet bezogen auf den schulischen Bereich, dass Menschen mit Behinderung der Besuch der allgemeinen Schule nicht verwehrt werden darf, wenn dort Erziehung und Unterricht den Fähigkeiten der Schülerin oder des Schülers entspricht und ohne besonderen Aufwand oder durch einen vertretbaren Einsatz sonderpädagogischer Förderung möglich ist. Auch wenn das Benachteiligungsverbot keine individuell einklagbaren Rechts- oder Leistungsansprüche begründet, liegt ihm doch eine allgemeine Wertentscheidung zugrunde, die auch die Träger öffentlicher Einrichtungen bindet.
(aus: Gesetz zur Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung Erfahrungsbericht, S. 1)

Die Möglichkeit zu sonderpädagogische(r) Förderung im Gemeinsamen Unterricht empfiehlt die Kultusministerkonferenz mit Beschluss vom 06. Mai 1994.

Zum 1. August 2005 wurde das neue Schulgesetz NRW eingeführt, welches einen gleichberechtigten Anspruch auf schulische Integration beschreibt.

Zum Sonderpädagogischen Förderbedarf finden Sie die Bestimmungen des Schulgesetzes in § 19 SchulG und § 20 SchulG.

Zum download das vollständige Schulgesetzes NRW, siehe insbesondere §§ 19, 20:

SchulGesetzNRW als PDF-Datei.

Aussagekräftig ist auch die Begründung zum Schulgesetz (von 11/2003).

 

Integration: Begriffserklärung

Der Begriff „Integration“ wird in vielen Zusammenhängen benutzt. Hier verwenden wir ihn im Rahmen des Gemeinsamen Unterrichts.

„Die Vielfalt verschiedener Menschen, die unterschiedlichen Ausdrucksformen ... im Zusammenspiel und ihrer wechselseitigen Ergänzung: All das macht den integrativen Prozeß aus. Es geht nicht um Anpassung der Behinderten an - von Nichtbehinderten - aufgestellte Normen und Werte, es geht auch nicht um die Negierung objektiver Defizite und Schwächen bei den Behinderten und Nichtbehinderten, sondern es geht um eine angstfreie und konkurrenzfreie Auseinandersetzung mit sich selbst und in der Gemeinschaft, um eine Auseinandersetzung mit Schwächen, die der einzelne - ob behindert oder nicht - akzeptieren muss, die Teil seiner Wirklichkeit sind, aber auch um das Erkennen von Stärken eines jeden Menschen, die dessen Selbstwertgefühl heben können. All dies ist Teil eines Lernprozesses im gemeinsamen Leben von Behinderten und Nichtbehinderten, im natürlichen Umgang zwischen allen Beteiligten und eine Voraussetzung dafür, vorurteilsfrei miteinander zu leben und zu lernen. (Erhard - Kramer/Hoppe, 1988). 

Nach diesem Verständnis bedeutet Integration nicht die Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft der Nichtbehinderten, sondern es geht um ein solidarisches Miteinander. Dazu gehört auch, dass gesellschaftliche Einrichtungen so gestaltet werden, dass sie zum Raum für alle werden.

Schule heute soll Schülerinnen und Schülern auch die Fähigkeit vermitteln, in der Welt von morgen zu bestehen. Deshalb muss sich Schule auch als „Interaktionsfeld“ und „Kommunikationsort“ verstehen. Eine vielfältige „Schule für alle“ bietet ein erweitertes Lernfeld, das Qualifikationen wie Anerkennung von Schwächen, Frustrationstoleranz, Kooperationsfähigkeit, Hilfsbereitschaft, Solidarität einschließt. Gemeinsamer Unterricht ist ein Ort, wo Anderssein täglich erlebt wird. „ Gegenseitiges Anerkennen, gemeinschaftliches Denken und Handeln sind im Gemeinsamen Unterricht ständig gefordert und können immer wieder in unterschiedlichen Situationen erprobt und erfahren werden.“ (Gemeinsam Leben BAG Info, S. 139; s.a.: Preuss-Lausitz, Maikowski 1998, S. 7

Es gibt heute vielfältige Erfahrungen von Lehrern und Lehrerinnen zum Gemeinsamen Unterricht. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung vieler Integrationsschulen  wurden folgende Erfahrungen zusammengefasst:

  • Die Einstellung zu einem Kind mit Behinderung ist ebenso wichtig wie sonder-pädagogisches Einzelwissen.

  • „Integrationsfähigkeit“ hängt nicht primär von dem behinderten Kind ab. Das Umfeld Schule muss integrationsfähig gemacht werden.

  • Die unterrichtliche Kooperationsfähigkeit, also die Fähigkeit, im Zwei-Pädagogen- System Ko-Unterricht zu erteilen, stellt eine Arbeitsvoraussetzung dar.

  • Die innere Differenzierung des Unterrichts ist eine methodische Grundvoraussetzung des Gemeinsamen Unterrichts.

Die Definition von "Integration" und die Förderschwerpunkte erhalten Sie hier als PDF-Dokument zum download.

Quelle: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/gemeinsamerunterricht/

Zum Begriff: Inclusion  

Ein noch weitergehendes ganzheitliches Verständnis von "Integration" wird mit dem Begriff Inclusion beschrieben.

Von der Integration zur Inclusion
„Allgemeine (integrative) Pädagogik“ und Fragen der Lehrerbildung
von GEORG FEUSER

"Inclusion" - Versuch einer Definition

Während sich "Integration" als Leitbegriff stärker auf die "Wiederherstellung einer Einheit" und damit vor allem auch auf besondere Maßnahmen bezieht, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen sollen, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, von dem sie vorher ausgeschlossen waren, geht der Begriff "Inclusion" weit darüber hinaus und fordert radikal, daß Behinderung als normale Spielart menschlichen Seins in allen gesellschaftlichen Bereichen akzeptiert und entsprechend in alle administrativen Planungen regelhaft einbezogen werden muß.

Insbesondere im Schulbereich wurde das Prinzip der "Inclusion" intensiv diskutiert. Es werden nicht mehr nur Wahlmöglichkeiten zwischen Sonderschulen und integrativen Schulformen gefordert, sondern das Recht eines jeden Kindes, in die jeweils zuständige Regelschule aufgenommen zu werden. Hieraus folgt die Pflicht der Schulbehörden, behinderte Kinder ganz selbstverständlich in die allgemeinen Schulkonzepte einzubeziehen. Eventuellen besonderen Bedürfnissen veschiedener Kinder müsse dann durch personelle oder materielle Hilfen Rechnung getragen werden.
Inclusion" ist damit ein grundlegendes Menschenrecht jedes einzelnen Bürgers einer Gesellschaft und steht in der Tradition der nordamerikanischen Diskussion über Menschen- und Bürgerrechte. Dieser neue Begriff ist auch in enger Verbindung zum Prinzip der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen zu sehen, hat aufgrund seiner grundlegenderen Bedeutung jedoch viel eher als Selbstbestimmung den Charakter eines neuen Paradigmas. Sollte sich also die grundlegend neue Sichtweise des Prinzips "Inclusion" durchsetzen, werden wir mit Recht von einem Paradigmenwechsel sprechen können.



    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der UN-Sonderbeauftragte
Vernor Muñoz Villalobos (r.) und Bundesbildungsministerin Annette Schavan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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