Weblog Gemeinsame Schule

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Sonderschulen

Förderung? Unterforderung!

Sonderschulen sollen die Defizite lernbehinderter Kinder ausgleichen. Zwei bislang unveröffentlichte Studien zeigen, dass sie das Gegenteil bewirken.
von Martin Spiewak

Den Streit um die Inklusion zeichnet vieles aus: Leidenschaft und Lautstärke, schöne Geschichten vom Gelingen des gemeinsamen Lernens und böse Beispiele seines Scheiterns. Und ganz viel Überzeugung. Denn viele Positionen im Streit um das Thema basieren auf einer eher lockeren "Bei uns in der Schule"-Empirie oder "Ist doch klar"-Evidenz.

Ist doch klar, dass Förderschüler am besten lernen, wenn sie unter sich bleiben: in besonderen Schulen, unterrichtet von besonderen Lehrern, ohne ständig frustriert zu werden vom Erfolg anderer Kinder. So meinen die einen. Ist doch klar, dass Förderschüler am besten in einer normalen Schule lernen, wo sie sich am Vorbild besserer Mitschüler orientieren, anstatt in einem pädagogischen Schonraum zu verkümmern. So lautet die andere Position, die bisher aber ebenso wenig wie die erste durch Forschung abgesichertes Wissen für sich beanspruchen konnte.
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"Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die in einer Regelschule unterrichtet wurden, weisen in allen untersuchten Bereichen höhere Leistungen auf als vergleichbare Schülerinnen und Schüler in Förderschulen", schreiben die Forscher des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in einem Aufsatz, der Ende des Monats in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie erscheinen wird. Dabei sei der Vorteil des integrierten Unterrichts "überraschend groß", sagt IQB-Direktorin Petra Stanat und gesteht: "Ich hätte damit nicht gerechnet."
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Darüber hinaus identifizierten die Bielefelder Forscher jedoch einen spezifischen Erfolgsfaktor gemeinsamen Unterrichts: die Haltung des Lehrerkollegiums zur Inklusion selbst. Die Forscherin Birgit Lütje-Klose berichtet von Schulen, die auf ihrer Homepage zwar das gemeinsame Lernen preisen. Rede man jedoch mit den Lehrern, habe man das Gefühl, die ganze Idee der Inklusion sei eine einzige Zumutung. Mitunter hätten sie schon kurze Zeit nach Betreten der Schule voraussagen können, welcher Geist in der Schule herrschte, berichten die Bielefelder Forscher.

Alles lesen ... : http://www.zeit.de/2014/20/sonderschulen-inklusion

 

 

 

11.02.2012

Die Diskussion um Inklusion, insbesondere ein » inclusiv education system «, ist zwischenzeitlich verfahren und in Grabenkämpfen von Interessengruppen (z.B. Eltern- vs. Lehrerverbände) verstrickt. Dazwischen jonglieren zumeist hilflos die Schulverwaltung und das Schulministerium. Daher gilt es noch einmal eine Versachlichung anzustreben.

 

Das Inklusion ein Menschenrecht ist, welches es umzusetzen gilt, ist inzwischen unstrittig. Gleichwohl wird um das Wie und die Ressourcen gestritten. Auch verliert in der hitzigen Debatte der Begriff „Inklusion“ oftmals an Klarheit. Anbei übersenden wir Ihnen nun einen anspruchsvollen juristischen Artikel, der durch „…die Rückbesinnung auf die Ausgangssituation, nämlich die Verabschiedung der Behindertenrechtskonvention und ihre menschenrechtlichen Hintergründe, Gesichtspunkte liefern kann, die vom Boden des Rechts aus zur Klärung der Situation beitragen“ können.

 

Vom Sinn und vom Missverstehen der Inklusion
von Dr. jur. Reinald Eichholz (Link bitte anklicken, pdf-Datei!)
 

In herausragender Weise werden auch berechtigte Argumente der Inklusionskritiker aufgegriffen. So hat Eichholz auch das „Recht auf Rückzug“ herausgearbeitet. „Die darin liegende Achtung der Autonomie ist Achtung der Menschenwürde. Die praktische Gestaltung der Lebensverhältnisse in Schule hat dem Rechnung zu tragen.“ (vgl. S. 6).

Desweiteren wird das „Gefühl der Zugehörigkeit“ aller Kinder, sowie der oftmals missbrauchte Begriff des „Kindeswohls“ präzisiert (S. 10 f.). Inklusion wird als ein zeitlicher Prozess verstanden, der dennoch, auch zum jetzigen Zeitpunkt, sofort begründet, dass Kinder in ihrem „Andersein“ nicht vom allgemeinen Schulwesen ausgeschlossen werden dürfen. „Die Versagung ... aufgrund einer Behinderung ist ein Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot, der zur Klage berechtigt.“ (S. 10).

Zum Schluss wird noch einmal das Verhältnis von „Elternrecht, Bildungsauftrag und Wächteramt des Staates“ beleuchtet; auch dabei werden einige Fehlinterpretationen korrigiert.

 

Dieser Artikel kann sehr wohl zur Versachlichung dienen und wird auch vielen kritischen Interessengruppen gerecht, wieder das Kind im Mittelpunkt zu sehen und die berechtigten Interessen a l l e r Kinder, durch Schulorganisation und pädagogisches Handeln zu gewährleisten. (GPR)

 

01.06.2011

Leitlinien zur inklusiven Schulrechtsreform NRW

Es ist nun weitgehend unstrittig, das „Inklusion“ als Deutsches Recht nach der UN-Konvention auch auf Landesebene sowie in den Kommunen unverzüglich umgesetzt werden muss.

Ein bedeutender Aspekt ist das inklusive Schulsystem, welches „gemeinsames Lernen“ behinderter und nicht-behinderter Kinder einfordert. Es stellt sich nur noch die Frage nach dem wie, wann und wie schnell?

Drei Fragen sind bei der politischen Umsetzung evident:

  1. Mit welcher Rechtskraft wird das Recht auf Inklusion im Schulgesetz verankert? Stichwort: Elternwahlrecht, hier: INKLUSION ist ein unveräußerliches Grund- und Menschenrecht. Es ist ein Recht des Kindes an sich, auf das nicht einmal die Eltern „freiwillig“ verzichten können.
  2. Wie werden die Rahmenbedingungen für „gemeinsames Lernen“ sein? Stichworte: Schulfinanzierungsgesetz und Ressourcensteuerung, Lehrerstellenzuweisung, Aus- und Fortbildung.
  3. Was passiert mit den Förderschulen? Wo und wie werden die freiwerdenden SonderschullehrerInnen eingesetzt?

Wir hoffen mit den beigefügten „Leitlinien zur inklusiven Schulrechtsreform NRW“ (s. PDF, bitte Link anklicken!) bei der Inklusionsplanung hilfreich sein zu können. (Paul-Roemer, Dipl.-Soz.Wiss.) 

 

 

02.03.2011

Inklusion ist Menschenrecht!

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde,

wir laden Sie hiermit sehr herzlich zur 16. Vollversammlung des Initiativkreises Gemeinsame Schule ein.

Montag, den 4. April 2011
19.30 Uhr
Ort: DIE FÄRBEREI, Stennert 8, Wuppertal-Barmen

Programm:

1) Unser Start ins Projekt Gemeinsamer Unterricht - ein erster Erfahrungsbericht.
Elisabeth Minke, Rektorin, städt. kath. Sankt-Antonius-Grundschule, Wuppertal

2) Bericht 2010 - zur Entwicklung der schulischen Integration in Wuppertal und was meint eigentlich Inklusion?

3) Das Projekt InKö - Integration/Inklusion Köln: Ressourcen bündeln, Netzwerke schaffen
Raphaela Fink
und Andreas Köpfer, Universität zu Köln, wiss. Mitarbeiter
im Department Heilpädagogik und Rehabilitation - Pädagogik und Didaktik bei Menschen mit geistiger Behinderung

4) Was ist nach der Schule? - zum Übergang in Ausbildung und Beruf

Die vollständige Einladung entnehmen Sie bitte der PDF-Anlage: Einladung-IK-GU2011pdf.

Wir freuen uns auf Ihre Mitwirkung.

Viele Grüße

Paul-Roemer

 

20.8.2010

Inklusion als exklusives Recht?

Das Thema „Inklusion“ wird ausgiebig und kontrovers diskutiert, insbesondere im Schul- und Bildungsbereich. Dabei outen sich Inklusionsbefürworter genauso wie Hartliner, die das bestehende gegliederte Schulsystem, mitsamt der Sonderschulen, möglichst so erhalten möchten. Nicht zuletzt durch PISA und die UN-Behindertenrechtskonvention, die nun geltendes Recht in Deutschland ist, stellt sich die Frage nach einem Systemwechsel.

Besonders massiv hat sich der Philologenverband zum Thema „Inklusion“ abgegrenzt, welches wir zum Anlass genommen haben, diese Positionen deutlich zu kommentieren und auch zurechtzuweisen. Es kann nicht sein, das der Verband nur vereinzelte „auserlesene“ Kinder im Gymnasium aufnehmen (integrieren) möchte, wohingegen die Mehrzahl der Förderschüler, bitte schön, in der Sonderschule verbleiben sollen. Das Recht auf Inklusion kann kein exklusives sein!

Bitte beachten Sie den beigefügten Aufsatz (s. PDF) und leiten sie diesen an Freunde weiter.

 

Inklusion als exklusives Recht?
Eine Antwort auf die Position des Philologenverbandes zum Thema Inklusion v. 23.4.2010
  (Bitte anklicken!)

 

Wir ermutigen alle Eltern für ihre Kinder „Gemeinsamen Unterricht“ einzufordern. Dabei sind alle Schulformen gefordert, ausnahmslos. Auch sollten Sie im Konfliktfalle mit Hilfe eines Rechtsanwaltes Ihr Recht durchsetzen. Die Chancen waren nie besser, auch vor Gericht zu gewinnen.

Bitte diskutieren Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis diese Entwicklung und unterstützen Sie unsere Forderungen. Wir glauben, dass die Behindertenhilfe völlig neu ausgerichtet werden muss, insbesondere durch INKLUSION sowie ehrliche und tatsächliche Teilhabe an einem menschenwürdigen „normalen Leben“.

Infos: G. Paul-Roemer, Dipl.-Soz.Wiss., Tel.: 0202 / 758 00 90

 

7.2.2009

Manifest Inklusive Bildung – Jetzt!

Wir beziehen uns auf das Menschenrecht auf Bildung, wie es von den Vereinten Nationen in mehreren, von der Bundesrepublik ratifizierten Menschenrechtsverträgen kodifiziert wurde:

  • Das Abkommen über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte schreibt vor, dass allgemeine Bildung ohne Diskriminierung zugänglich, allen verfügbar, von Eltern und Kindern akzeptiert und dem Stand der Wissenschaft und gesellschaft­lichen Entwicklungen angepasst werden muss.
  • Die Konvention über die Rechte des Kindes verpflichtet die Vertragspartner, alle verfüg­baren Mittel einzusetzen, damit Bildung möglichst vollständige soziale Integration und Entfaltung der Persönlichkeit eines jeden Kindes befördert.
  • Die Konvention über die Rechte behinderter Menschen schließlich fordert die Vertrags­partner unmissverständlich auf, für „inclusive education“ Sorge zu tragen. Das bedeutet: Alle Kinder werden in allgemeinen Schulen in heterogenen Lerngruppen der Vielfalt der Begabung entsprechend unterrichtet. Die nötige individuelle Unterstützung wird zum Kind gebracht.

Bildung ist ein Recht, das zur Wahrnehmung anderer Rechte erst befähigt.

Wenn es vorenthalten wird, bedeutet das den Ausschluss von Selbstbestimmung, politischer und gesellschaftlicher Teilhabe, Arbeit und Gesundheit. 

  Wie bei der UN-Kinderrechtskonvention sind auch für die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen Bund, Länder und Gemeinden zuständig. Sie alle sind an die völkerrechtlichen Vereinbarungen gebunden; der Bund hat die Einhaltung der Konventionen vor der Völkerrechtsgemeinschaft zu vertreten. Der übliche Verweis auf die Zuständigkeit des jeweils anderen ist unzulässig, denn an deutschen Schulen bestehen Zustände fort, die den Konventionen eklatant widersprechen und deshalb vom Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für das Recht auf Bildung, Vernor Munoz, angeprangert wurden:
  • Viel zu früh werden die Bildungswege der Kinder getrennt.
  • Fast einer halben Million Kinder und Jugendlicher wird sonderpädagogischer Förderbedarf bescheinigt und 85% dieser Kinder werden in der Folge in Sonderschulen eingewiesen – viele gegen ihren und gegen den Willen der Eltern. Nur 15% von ihnen werden an allgemeinen Schulen unterrichtet.
  • Unter den Sonderschülerinnen und –schülern finden sich überproportional viele Kinder mit Migrations- und/oder Armutshintergrund.

... das ganze Manifest als PDF-Datei

Link: Inklusive Pädagogik, Def. bei Wikipedia

 

10.09.2008
Borschüre erschienen:

Wegweiser zum Gemeinsamen Unterricht
von behinderten und nicht behinderten Kindern in NRW

Hrsg.: mittendrin e.V., Köln

Bestellen für 1 € je Exemplar:

mittendrin e.V.
Breibergstraße 33
50939 Köln

Telefon 0221 / 61 42 49

Mail: kongress@eine-schule-fuer-alle.info

Download als  PDF-Dokument (1 MB)

(kostenlos!)

 

 

 

 

11.06.2008 - Westdeutsche Zeitung

Förderschule: Der Ort, an dem Kinder immer dümmer werden

von Anja Clemens-Smicek

Prof. Wocken: Lernbehinderte Schüler sind auf der Regelschule besser aufgehoben.

 

Wuppertal. Wenn Politiker über Bildung reden, geht es stets auch um die „optimale Förderung“ aller Kinder. Keines, so heißt es vollmundig, dürfe verloren gehen. Wie weit das deutsche Schulsystem von dieser Zielvorgabe entfernt ist, zeigen nicht allein die Hauptschulen, die seit langem mit dem Stigma „Restschule“ leben müssen.

In punkto Chancengleichheit geht es noch schlimmer: Die Förderschule, einst Sonder- und Hilfsschule genannt, ist die wirklich vergessene Schulform. So vergessen, dass sie selbst von den Pisa-Studien nicht berücksichtigt wurde.  ...

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21.11.2007

Recht auf integrative Bildung
Kommunen müssen behinderten Kindern den Besuch einer integrativen Schule
grundsätzlich finanziell ermöglichen.

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 26. Oktober 2007 (BVerwG Az. 5 C 34/06 und 35/06).

Sozialhilfe zur Ermöglichung der Teilnahme geistig behinderter Kinder am integrativen Schulunterricht
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat in zwei Verfahren darüber entschieden, dass die Stadt Chemnitz verpflichtet ist, die Kosten eines Integrationshelfers (Unterstützungsperson beim Schulbesuch) für ein schulpflichtiges behindertes Kind - hier: für die integrative Unterrichtung an einer Montessori-Grundschule bzw. an einer Montessori-Mittelschule - zu übernehmen.
Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits früher ausgesprochen, dass ein Anspruch auf Eingliederungshilfe durch Übernahme der Kosten eines Integrationshelfers für den Besuch einer integrativ unterrichtenden Grundschule, der das Kind schulrechtlich zugewiesen ist, besteht, obwohl solche Kosten sonst nicht angefallen wären. In den vorliegenden Verfahren war nunmehr weitergehend zu klären, ob individuelle Integrationshilfekosten auch dann zu übernehmen sind, wenn schulrechtlich Wahlfreiheit besteht und diese Kosten beim Besuch einer Förderschule nicht anfielen.
Das Bundesverwaltungsgericht hat einen solchen Anspruch bejaht. Nach den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen (§ 40 Abs. 1 Nr. 4 BSHG in Verbindung mit § 12 Nr. 1 der Eingliederungshilfeverordnung) umfassen die Hilfen zu einer angemessenen Schulbildung Maßnahmen zugunsten behinderter Kinder und Jugendlicher, wenn sie erforderlich und geeignet sind, den Schulbesuch im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht zu ermöglichen oder zu erleichtern. Diese Voraussetzungen lagen nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts vor, nachdem das Schulamt den betroffenen Kindern bzw. ihren Eltern die Wahl zwischen einer integrativen Unterrichtung an der Montessori-Schule und dem Besuch der öffentlichen Förderschule überlassen hatte. Der Sozialhilfeträger musste angesichts der dem Kind bzw. den Eltern eingeräumten Wahlfreiheit deren Entscheidung für eine integrative Beschulung respektieren.

Das Urteil ist noch nicht veröffentlicht! mehr lesen ...

 

23.08.2007

Behindertes Mädchen muss nicht in Sonderschule!
Das Verwaltungsgericht hat eine Entscheidung (Az 10 K 761/07) der Schulaufsicht revidiert. Die 7-jährige Schülerin mit Down-Syndrom darf weiterhin in eine integrative Waldorf-Schule gehen. download: Urteil Az 10 K 761/07 (PDF-Datei)
Das Kölner Verwaltungsgericht hält die Frage, ob es genügend Integrationsplätze gibt, für sachfremd bei der Entscheidung für den besten Förderort.
Kobinet berichtet über eine Entscheidung des Kölner Verwaltungsgerichtes, das einem Mädchen mit Down-Syndrom die Teilnahme am gemeinsamene Unterricht ermöglicht, obwohl die Schulaufsichtsbehörde sie an eine "Förderschule für geistige Entwicklung" verwiesen hatte.
Die Eltern wollten die Schülerin integrativ beschulen lassen. Da an den wenigen gut ausgestatteten städtischen Integrationsschulen kein Platz mehr frei war, wurde sie an einer privaten integrativen Waldorfschule aufgenommen. Die Schulaufsichtsbehörde entschied jedoch dagegen, obwohl zwei Gutachten eine integrative Beschulung empfahlen.
"Die 10. Kammer des Verwaltungsgerichts stellte in dem inzwischen rechtskräftigen Urteil fest, dass der Schulaufsicht mehrere Verfahrensfehler unterlaufen waren. Sie hatte weder die Eltern zu einer Anhörung eingeladen, noch es für nötig befunden, die Entscheidung für die Sonderschule inhaltlich zu begründen", heißt es in einer Pressemitteilung des Kongresses "Eine Schule für Alle".
Das Gericht befand außerdem, dass in diesem Fall die Entscheidung, das Kind gegen den Willen der Eltern der Sonderschule zuzuweisen, auch inhaltlich rechtswidrig war, denn der Förderbedarf des Mädchens könne auch in Regelschulen mit gut ausgestattetem "Gemeinsamen Unterricht" gewährleistet werden.
Das Gericht habe dem Schulaufsichtsamt in diesem Zusammenhang "eine deutliche Rüge erteilt". Schulaufsichtsbehörden dürften ihre Entscheidungsgewalt über den geeigneten Förderort für ein Kind nicht dazu missbrauchen, knappe Ressourcen im Gemeinsamen Unterricht zu bewirtschaften.

Die Frage, ob es genügend Integrationsplätze gebe, sei bei der Entscheidung, welcher Förderort für das einzelne Kind der beste sei, ein "sachfremdes Kriterium".
Besonders der letzte Punkt ist eine wichtige Klarstellung. Bisher ist es noch so, dass gemeinsamer Unterricht nur möglich ist, wenn Plätze dafür vorhanden sind. Faktisch ist die schulische Laufbahn eines behinderten Kindes also davon abhängig, wieviele Plätze für den gemeinsamen Unterricht die erreichbaren Schulen gerade anbieten.
Auch wenn Deutschland durch die Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen das Recht auf integrative Beschulung im Primar- und Sekundarschulbereich anerkennt, werden Eltern in der Praxis immer noch häufig darauf verwiesen, dass die Rahmenbedingungen nicht vorhanden sind oder nicht ausreichend Plätze zur Verfügung stehen.
Solange die Förderschulen die Regel und der gemeinsame Unterricht die Ausnahme bleiben, wird sich daran wohl auch nichts ändern - Trotz dieses positiven Urteils.

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